Dominikanerkloster
OHW-Erlebnis
Die Tour beginnt beim Nebeneingang und führt zuerst in den barocken Thomas-Saal, der modern gestaltet ist. Im Kreuzgang entdeckst Du die verschiedensten Fresken und Bauelemente, die ältesten sind aus dem 13. Jahrhundert. Falls keine Essenszeit der Mönche ist, wird auch ein Abstecher in das Refektorium gemacht.
Am Anfang der Postgasse, im ruhigeren Teil des 1.Bezirks, erhebt sich eine im Vergleich zum nahen St.Stephan eher unauffällige Kirchenfassade: die der Dominikanerkirche, Santa Maria Rotunda. 1226 war es weniger ruhig, lag doch der Teil von Wien auf der Stubenbastei, innerhalb der Stadttore und nahe am Stubentor und damit an belebter Stelle. Passend für die neue Wiener Niederlassung des vom Babenbergerherzog Leopold VI nach Wien eingeladenen, der Predigt verschriebenen Orden der Dominikaner für die Errichtung eines Klosters und einer Kirche. Der romanische Bau von 1237 wich 1283 einem frühgotischen. Im 16. Jhdt. lieferte der sakrale Bau Material für die Verstärkung der nahen Stadtmauer. Es folgte ein Abriss und ein 1676 abgeschlossener barocker Neubau Giovanni Giacomo Tencallas. Im 19. Jhdt. erfolgten Veränderungen am Ordensbau und an der Terrains um die Kirche. Weitere Renovierungen folgten im 20. Jahrhundert. Der an die Kirche anschließende Klosterbau aus dem Hochmittelalter überlebte nur teilweise in seiner Bauform. 1937 wurden größere Teile zur Wollzeile hin durch einen Neubau ersetzt. 1988 fügte Elsa Prochazka einen öffentlich zugänglichen Veranstaltungssaal mit Foyerräumen und Portal hinzu.
Die fast unauffällige, zierratarme Längsfassade zur Predigergasse hin wirkt abweisend und nüchtern. Die Frontseite aus Kalkstein aus Kaisersteinbruch zeigt frühbarocke Züge: eine zweistufige Giebelfassade nach römischen Stil mit antiken Bauelementen und reichem Dekor, sowie ein ornamentreiches Holztor. Das Innere des einschiffigen, dreijochigen Saalraums ist weitgehend original erhalten und zeigt Barock in seiner reinsten Form: Weitgehend weißer Stuck in filigraner Ornamentik oder detaillierter figuraler Form wechselt sich mit den Wandmalereien und wunderschönen Deckenfresken zahlreicher bekannter barocker Künstler ab. Altäre aus verschiedenen Phasen des Barocks ergänzen den Gesamteindruck eines sakralbaulichen Schatzkästchens.
Der Hauptaltar stellt hier kunsthistorisch eine Ausnahme dar und ist dem Klassizismus zuzurechnen. Sein Erschaffer ist Leopold Kuppelwieser, ein bedeutender österreichischer Kirchen- und Portraitmaler, Mitte 19. Jhdt. An die Kirche schließt noch heute das Geviert des Konvents an, in dessen Zentrum der Kreuzgang liegt. Der romanische Kern ist in Resten erkennbar, ergänzt um gotische und auch barocke Umbauten, sowie Sanierungen bis hinein ins 19.Jahrhundert. Der Klostertrakt ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
© Text: Renate Fuchs-Schreiber, Fotos: Dieter Henkel
Quellen:
Dehio für den 1. Bezirk
wikipedia.org
AkteurInnen:
Architektur: Kloster unbekannt
Kirche: Cypriano Biasino, Antonio Canevale und Jacopo Spacio
Umbauten Dominikanerhof: Kurt Klaudy, Anton Liebe und Georg Lippert
Umbauten Veranstaltungssaal, Foyer, Portal 1988: Elsa Prochazka
Adresse:
1010 Wien, Postgasse 4
Öffnungszeiten:
Sa 10 - 17 Uhr
Erreichbarkeit:
U3 Stubentor
U1/U4 Schwedenplatz
Baujahr:
1225-1937+1988

